2015 Verkehrssicherheit12015 Verkehrssicherheit2Einfach so in den Unterricht hineinplatzen und die Stunde stören - das geht gar nicht. Es sein denn, es handelt sich beim vorsichtig Anklopfenden um den Schulleiter, der kraft Amtes ausnahmsweise und zu einer besonderen Gelegenheit den Unterricht fünf Minuten früher beendet. Und wenn er dann auch noch ein Präsent in der Hand hält und seinen Kollegen Thomas Miethe mit Blumen im Schlepptau hat, dann wird schnell klar, dass das vorzeitige Ende einen wichtigen Grund haben muss. Denkt sich wohl auch Johannes Krage von der Kreispolizeibehörde, der gerade mit seiner Kollegin Susanne Hosch vor gleich mehreren Klassen steht und über Verkehrssicherheit spricht.

Dass er selber die Ursache der Störung ist, merkt er erst Momente später. Denn Geschenk und Blumen sind für ihn gedacht, verbunden mit dem Dank für sein Engagement an den Kaufmännischen Schulen in den vergangenen 16 Jahren. Denn mit dem Schritt in den Ruhestand endet auch sein „Einsatz“ an der Schule. „Ich komme ganz besonders gerne hierher“, sagt Krage, „weil hier Atmosphäre und Organisation stimmen.“

Eine Woche ganz im Zeichen der Verkehrssicherheit, das hat Tradition an den Kaufmännischen Schulen – seit immerhin 27 Jahren. Und sie verfehlt nie ihre Wirkung. Es ist immer mucksmäuschenstill im großen Mehrzweckraum, wenn die Verkehrssicherheits-Berater der Kreispolizeibehörde Steinfurt mit eindrucksvollen Bildern allergrößte Betroffenheit erzeugen. Schlimme Aufnahmen von realen Unfällen sind das, nicht gestellt und nicht geschönt. Sie zeigen die manchmal brutale Realität der Straße. So manch eine Schülerin, so manch ein Schüler richtet dann doch den Blick von der Leinwand lieber zur Seite, weil es schwer zu ertragen ist.

Die Schocktherapie ist durchaus gewollt, die Fotos von den fatalen Folgen sollen zu denken geben. Tun sie auch, das zeigen die Gespräche danach, in denen es oft auch um Selbsterlebtes geht oder um schwere Unfälle im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis. Sehr persönliche Worte werden da durchaus an die Polizeibeamten, an die Lehrer und Mitschüler gerichtet. Und die Damen und Herren in ihren blauen Uniformen sind sensibel genug, darauf ein- und wenn nötig auch mit einer Schülerin oder einem Schüler hinauszugehen, wenn die seelische Last zu groß wird.

Zu schnelles Fahren, Alkohol am Steuer und die Handynutzung während der Fahrt, das sind nach wie vor die kapitalen Fehler am Lenkrad. Gerade auch in der Altersgruppe der Schülerinnen und Schüler. Hier möchten die Verkehrssicherheits-Berater den Finger in die Wunde legen - aber nicht mit erhobenem Zeigefinger belehrend wirken. „Wir wollen durchaus schocken, aber dann sachlich aufklären und so eine Veränderung im Denken bewirken“, beschreiben die Beamten aus Steinfurt ihre (Verkehrs-)Erziehungsziele.

Dazu haben sie an den Kaufmännischen Schulen reichlich Gelegenheit. 35 Klassen mit rund 800 Schülerinnen und Schülern kommen mit Sylvia Meinders, Ilona Berger, Susanne Hosch, Hannes Kröger und Johannes Krage ins Gespräch. Auch der Blick durch das Lasermessgerät wird ermöglicht, für viele eine neue Sicht auf die Geschwindigkeit und deren mögliche Folgen - wenn sie nicht angepasst ist. Eine simple Zeichnung verdeutlicht anschließend: Fährt ein Auto mit der vorgegebenen Geschwindigkeit durch die Tempo-30-Zone, kann er locker vor Klein-Erna,die mit mit ihrem Kinderdreirad die Straße kreuzt, stoppen. Fährt er 50, ist Klein-Erna tot.

Auch im kommenden Jahr wird es wieder eine Sicherheitswoche geben, das steht jetzt schon fest. Aber eben nicht für Johannes Krage. Der befindet sich, was seine berufliche Laufbahn betrifft, schon auf dem – um im Bild zu bleiben – Anhalteweg. „Ich weiß nicht, mit wie vielen Schülerinnen und Schülern Sie an unserer Schule über Verkehrssicherheit gesprochen haben“, sagt Thomas Miethe, „aber ich denke, dass Sie in dem ein oder anderen Fall dazu beigetragen haben, dass ein Unfall nicht passiert ist und so Menschenleben gerettet wurden.“ Schulleiter Ralf König bedankt sich im Namen des Kollegiums und der Schülerschaft für Krages Engagement an den Kaufmännischen Schulen: „Es ist uns ein großes Anliegen, mit dieser Veranstaltung wichtige Denkanstöße für vernünftiges Verhalten im Straßenverkehr zu geben. Dabei haben Sie uns 16 Jahre lang ganz hervorragend unterstützt, dafür können wir Ihnen nur danken und für den Ruhestand alles Gute wünschen.“

Foto rechts: Dank für 16 Jahre „Einsatz“ an den kfm-Schulen: Th. Miethe (2.v.r.) und R. König (r.) danken J. Krage (li.).

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