2018 IFK Verkehrssicherheit42018 IFK Verkehrssicherheit8Wenn die Premiere gelingt, kann guten Gewissens eine zweite Vorstellung folgen. Vorhang auf hieß es bereits in dieser Woche: Zum ersten Mal standen Susanne Hosch und Andreas Kröger, Verkehrssicherheits-Berater bei der Kreispolizeibehörde in Steinfurt, vor einer Internationalen Förderklasse. Dabei handelt es sich um Schülerinnen und Schüler, die ihre Heimat verlassen haben, geflohen sind oder vertrieben wurden und nun in Rheine die Kaufmännischen Schulen besuchen. Natürlich sind ihre Deutsch-Kenntnisse noch nicht sehr ausgeprägt, sie haben Schwierigkeiten beim Sprechen und beim Lesen. Und sie müssen sich in ihrer neuen Umgebung erst einmal zurechtfinden. Vor allem im Straßenverkehr - durchaus gefährlich, wenn die Hinweisschilder gar nicht erst verstanden werden. Oder die allgemeinen Regeln nicht bekannt sind. Daher hatten Klassenlehrerin Stephanie Morenz und Thomas Miethe, Verkehrssicherheits-Berater der Schule, beschlossen, sich die Präventions-Polizei ins Haus zu holen. Der Premieren-Unterricht klappte so gut, dass gleich ein Folgetermin für die nächste Vorstellung festgelegt wurde.

Verkehrserziehung wird an den Kaufmännischen Schulen seit Langem groß geschrieben. Jedes Jahr findet eine Verkehrs-Sicherheitswoche statt, hunderte Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich dann intensiv mit so unterschiedlichen Themen wie Bremsweg, Anhalteweg, Auswirkungen von Alkohol am Steuer oder vorausschauendes Fahren und Fairness im Verkehr. „Allerdings ist uns bewusst geworden, dass wir damit die Schülerinnen und Schüler der Förderklasse gar nicht erreichen“, sagt Thomas Miethe. „Denn die haben ganz andere Bedürfnisse. Sie müssen erst einmal die Grundlagen des richtigen Verhaltens im deutschen Straßenverkehr erlernen.“ Vor diesem Hintergrund reift bei Klassenlehrerin Stephanie Morenz und Thomas Miethe schnell der Entschluss, die Kreispolizei um Unterstützung zu bitten. Die Kontakte sind eng, denn die Beamten kommen bei jeder Verkehrs-Sicherheitswoche mit großem Aufgebot zum Präventions-Einsatz in die Klassen.
Die Außer-der-Reihe-Anfrage stößt in Steinfurt sofort auf offene Ohren: „machen wir“. Die Zusage bedeutet allerdings für Susanne Hosch und Andreas Kröger erst einmal jede Menge Aufwand, betreten sie doch unterrichtliches Neuland. „Denn eine Ausarbeitung für eine Förderklasse, die hatten wir natürlich nicht in der Schublade liegen, die mussten wir erst einmal erarbeiten“, erläutert Kröger. Was durchaus eine Gratwanderung bedeutet. Denn die Präsentation sollte möglichst nachhaltig die wichtigsten Verkehrsregeln vermitteln, aber auch für die Schülerinnen und Schüler mit eingeschränkten Sprachkenntnissen verständlich sein. Wer nichts versteht, hört auch nicht zu.
Das sollte unbedingt vermieden werden, daher waren alle gespannt auf die Premiere: Beide Verkehrssicherheits-Berater arbeiten mit vielen Symbolen und Zeichnungen, benutzen eine einfache Sprache, erläutern Grundregeln, weisen auf Funktion von Ampeln und Verkehrszeichen hin und erklären, wie man sich korrekt verhält. Die Spannbreite der Infos reicht von Hinweisen zum verkehrssicheren Fahrrad über richtiges Abbiegen und Beachten des toten Winkels bis zum Verhalten als Fußgänger mit dem Tipp, in diesen dunklen Tagen besser helle Kleidung zu tragen, möglichst mit Reflektoren. Und die gab´s sogar als Präsent für die gesamte Klasse obendrauf.
Diese hört aufmerksam zu, macht mit, stellt Fragen. Am Ende glückt die Premiere. „Ich fand, alle waren sehr aufmerksam. Ich glaube, da ist etwas hängengeblieben“, so das Fazit des Beamten-Duos. Nur: die Zeit ist ihnen ein wenig davongelaufen. Denn eigentlich hatten beide noch ein weiteres Thema im Köcher: das Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch wichtig. Und ein Quiz, dass hatten sie ebenfalls in petto. Schade um die Vorbereitung. Oder doch nicht?
Nach der Doppelstunde kommen Schule und Polizei schnell überein, der Premiere einfach eine zweite Vorstellung in der nächsten Woche folgen zu lassen. Und die findet dann auf außergewöhnlicher Bühne statt: direkt draußen vor Ort.

Foto: Susanne Hosch und Andreas Kröger von der Kreispolizei machen die Schülerinnen und Schüler mit den Besonderheiten des deutschen Straßenverkehrs vertraut.

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