2018 Verkehrsicherheit12018 Verkehrsicherheit32018 Verkehrsicherheit9Mit zittrigen Händen versucht der Mann die Kerze anzuzünden. Die Flamme des Streichholzes flackert, geht fast aus. Es fällt ihm schwer, den Docht zu treffen, die Finger solange ruhig zu halten, bis die Kerze endlich brennt. Schließlich gelingt es ihm doch. Mit Tränen in den Augen lässt er sich zurück in das Sofa gleiten, klammert sich an seine Frau, die ebenfalls weint. Die Kerze brennt für den 33-jährigen Sohn. Sinnlos gestorben bei einem Verkehrsunfall. Der junge Mann musste einem Autofahrer ausweichen, der rücksichtslos bei Gegenverkehr mit überhöhter Geschwindigkeit gleich mehrere Autos überholt und viele Menschen gefährdet hatte. Der junge Mann verunglückte schwer, starb später im Krankenhaus. Der Unfallverursacher flüchtete, wird zurzeit immer noch von der Polizei gesucht. Per Video bitten die Eltern um Hinweise, damit der Flüchtige gefunden und bestraft werden kann.

2018 Verkehrsicherheit62018 Verkehrsicherheit4Der Film, den die Schülerinnen und Schüler der Verkehrs-Sicherheitswoche zu sehen bekommen, ist ein eindrucksvolles Dokument und zeigt, welch großes Leid verantwortungsloses Verhalten im Straßenverkehr verursachen kann.

In unserer Schule weisen großformatige Plakate auf allen Etagen auf die Woche der Verkehrssicherheit hin. Fachlehrer Thomas Miethe hat den Besucher-Plan längst ausgetüftelt: „Alle Unterstufen werden eingeladen, das sind 33 Klassen mit knapp 800 Schülerinnen und Schülern.“ Ein großes Publikum für die Riege der Polizeibeamtinnen und -beamten, die die Gruppen im Mehrzweckraum begrüßen. Ilona Berner, Susanne Hosch, Michael Heimeshoff und Andreas Kröger sind schon häufiger in den Kaufmännischen Schulen zu Gast gewesen. Und finden ihre Besuche sinnvoll. „Die Schülerinnen und Schüler hier zählen genau zu der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen, die überproportional an Unfällen beteiligt ist“, sagt Ilona Berner. Sie präsentiert Zahlen zum Beweis: „Im Kreis Steinfurt hat es 2017 28 Tote im Straßenverkehr gegeben, neun davon gehörten zu dieser Gruppe.“
Erst denken, dann fahren - mit dieser kurzen Formel lässt sich das Ziel der Beamten verdeutlichen. Das erreichen sie mit Schockbildern von Unfällen, mit eindringlichen Videos, mit nachvollziehbaren technischen Erläuterungen oder mit ganz einfachen Rechenaufgaben. Zum Beispiel im Stadtverkehr. Bei vorgeschriebenen 50 Stundenkilometern beträgt der Anhalteweg 27,5 Meter. Bei 60 sind es dann aber schon 36 Meter. Und diese achteinhalb Meter können durchaus über Leben und Tod entscheiden. Und Kinder rennen ja gerne mal gedankenlos auf die Straße...
Zur Sprache kommen die Hauptunfall-Ursachen. Geschwindigkeit klar, zu nahes Auffahren, Alkohol und andere Drogen. Und – immer wieder und immer noch – die Ablenkung am Steuer durch das Handy. Ein Auto, das mit 100 Stundenkilometer über die Landstraße fährt, legt etwa 28 Meter in der Sekunde zurück. Wer also nur fünf Sekunden auf das Display schaut!? – auch für Mathe-Muffel leicht zu rechnen.
Allerdings bleibt der erhobene Zeigefinger bei den Beamtinnen und Beamten in der Tasche. Oberlehrerhaft aufzutreten bringt nichts, das wissen sie. Wie wär´s denn stattdessen mit diesem Vergleich: Wer ohne Gurt mit 50 gegen einen Baum rast, der kann auch gleich vom Zehn-Meter-Brett in ein Becken springen – aber ohne Wasser. Macht kein Mensch.
Bleibt zu hoffen, dass dem ein oder anderen ein Licht aufgegangen ist. Auf Kerzen – siehe oben – können aber alle ganz gut verzichten.

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Aufmerksames Publikum: Rund 800 Schülerinnen und Schüler erreichen die Polizeibeamten während der Verkehrssicherheitswoche