2014 Weltladenl1Das fängt ja fair an. Kaum haben die Schülerinnen und Schüler der Kaufmännischen Schulen den Verkaufsraum des Weltladens an der Hansaallee 17 betreten, bietet ihnen Michael Remke-Smeenk auch schon eine Tasse frischen Kaffee oder Tee an. Aus fairem Anbau selbstverständlich. Und damit garantiert ohne Kinderarbeit hergestellt. Da lassen sich Cappuccino, Espresso oder schwarzer Tee zur Einstimmung auf die Info-Veranstaltung erst einmal in aller Ruhe und guten Gewissens genießen. Doch während der letzte Kaffee in die Tasse plätschert, präsentiert Michael Remke-Smeenk vom Vorstand der „Arbeitsgemeinschaft Solidarische Welt“ (ASW) seinen Besuchern aus der Oberstufe der Höheren Handelsschule schon einmal die ersten Fakten und berichtet, dass es den Weltladen in Rheine bereits seit 40 Jahren gibt.

Rund 500 Produkte aus 40 Ländern lassen sich in den Regalen finden. Das Sortiment enthält weitaus mehr als Tee und Kaffee, die Angebotspalette umfasst neben einem breiten Angebot an Nahrungsmitteln aller Art zum Beispiel auch Kunstprodukte oder Spielzeug. „Wir beliefern von Rheine aus rund 100 Gruppen in der Stadt, aber auch im Kreis Steinfurt, dem Emsland oder der Grafschaft Bentheim,“ lautet eine interessante Information. Und dann verdeutlicht er seinen entscheidenden Standpunkt: „Ausbeuterische Kinderarbeit darf nicht sein. Kinder müssen zur Schule gehen können, das ist ein wesentliches Ziel unserer Arbeit.“ Da kann die Schülergruppe nur zustimmen, hat sie sich doch im vergangenen Schulhalbjahr in einem Projekt mit diesem Thema auseinander gesetzt. Neben dem Verbot von Kinderarbeit setze sich der faire Handel ganz besonders für nachhaltige Verbesserungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitern und kleinen Bauern ein. „Wir sind der Ansicht, dass diese Menschen nicht einfach mit Spenden unterstützt werden sollten, das bringt nichts. Arbeiter und Bauern müssen fair bezahlt werden, so dass die Familien davon leben können,“ so Remke-Smeenk. „Und dabei sollten sie nicht auf die Mithilfe ihrer Kinder angewiesen sein.“ Er berichtet, dass viele Familien nur deshalb eine große Anzahl an Kindern hätten, weil sie auf deren Mithilfe zum Bestreiten des Lebensunterhaltes angewiesen seien. Mehr Kinder bedeute aber auch mehr Bedarf an Nahrung und damit oftmals Hunger. „In einigen Gebieten Äthiopiens hat sich durch die Versorgung mit Wasser und durch den fairen Handel die Geburtenzahl um die Hälfte reduziert, weil die Eltern durch ihre Arbeit genug verdienen und dadurch die Kinder ihr Recht auf Bildung nutzen können“, erläutert der Fachmann den staunenden Besuchern.

Während einige an der fairen Schokolade knabbern, berichtet Michael Remke-Smeenk vom schweren Los der Kinder, die in Indiens Steinbrüchen arbeiten oder auf den Kakaoplantagen Südarmerikas schuften müssen. Auf die Frage, warum Fairtrade-Produkte teurer sind, antwortet er, dass nicht nur der Bauer einen angemessenen Lohn erhalte, sondern jeweils auch Geld in dessen Dorf zur Weiterentwicklung von Einrichtungen wie etwa Schulen bleibe. Das seien etwa 20 Prozent. „Man unterstützt also nicht nur den Produzenten, sondern die gesamte Gemeinschaft“, fasst Schüler Alex zusammen. „Hinzu kommt aber noch ein weiterer positiver Aspekt“, ergänzt der ASW-Mann. „Es wird auf Pflanzenschutz und Kunstdünger verzichtet, wir schonen also beim Kauf der fair hergestellten Ware auch unsere Umwelt.“ Und noch etwas stellt Remke-Smeenk heraus: „Für das Ernten von fair gehandelten Lebensmitteln brauchen die Menschen natürlich Maschinen, und die werden zum Teil in Deutschland bestellt, so dass auch die Wirtschaft davon einen Vorteil hat.“

Michael Remke-Smeenk erzählt mit soviel Begeisterung und Überzeugung von der Fairtrade-Idee,   dass die Schülerinnen und Schüler aufmerksam zuhören – vielleicht auch, weil er den erhobenen Zeigefinger vermeidet und der Gruppe kein schlechtes Gewissen einredet. Während das Angebot in den Regalen unter die Lupe genommen wird, erfahren die Besucher noch, dass jeder Rheiner Bürger pro Jahr umgerechnet 50 Cent im Laden lässt. Die meisten Käufer sind zwischen 40 und 70 Jahre alt, aber viele Schulen sind mittlerweile auch Kunden und sorgen für Bewegung auch bei jüngeren. „Der Fairtrade-Laden hat meine Erwartungen übertroffen und einen neuen Kunden gewonnen“, sagt Lucas. Und nicht nur das. Im Rahmen ihres Projektes möchten die Schülerinnen und Schüler die Idee in den Kaufmännischen Schulen noch bekannter machen und ihren Mitschülern fairen Kaffee verkaufen ( Im Lehrerzimmer wird er schon getrunken). Die Zapfeinrichtung im Rucksack leiht ihnen der Weltladen, den Kaffee gibt es auf Kommission. Wie das ein oder andere Produkt, das gleich mit verkauft werden könnte. Wer weiß, vielleicht ist der Besuch ja der Einstieg in einen florierend-fairen Handel an den Kaufmännischen Schulen...