2013 Rote Hände gegen Kindersoldatenl422013 Rote Hände gegen Kindersoldatenl372013 Rote Hände gegen Kindersoldatenl49Dass die beiden Herren von der Kreisverwaltung Steinfurt schon am frühen Morgen in der Aula der Kaufmännischen Schulen rot sehen, liegt nicht etwa an ihrer Gemütsverfassung. Oder an Problemen, die sie bei ihrem Besuch in Rheine kurzfristig lösen müssten. Im Gegenteil. Die Umschreibung ist auch gar nicht sprichwörtlich, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ganz handfest gemein.

Schul- und Sozialdezernent Dr. Peter Lüttmann hat sein Jacket bereits ausgezogen und an Schulleiter Ralf König übergeben, während Hans-Jürgen Kösters, Leiter der Schulverwaltung, schon einmal die Ärmel aufkrempelt. Einen kurzen Moment später färbt Schülerin Regina Elzner mit einer Malerrolle die jeweils linke Hand der beiden Gäste mit roter Farbe ein. „Und jetzt kräftig auf das Tuch pressen“, deutet Schüler Shaban Abazovic auf zwei freie Stellen der Stoffbahn. Gesagt, gedrückt – und schon sind die „Hände Nummer 545 und 546“ verewigt. (Zum Fotostream: Weiterklicken!)

„Das ist eine ganz tolle Sache“, sagt Dr. Lüttmann und meint damit nicht seinen Handabruck, sondern die Aktion der Kaufmännischen Schulen, mit der Schüler und Lehrer anlässlich des „Red Hand Day“ gegen den Einsatz von Kindersoldaten protestieren.

Rund 18 Meter lang und gut anderthalb Meter breit ist das Stofftuch, auf dem 544 Schüler und Lehrer ihren nachhaltigen Protest gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten knallrot und mit Unterschrift zum Ausdruck bringen. Gestiftet hat sie der Vater eines Schülers, wobei eigentlich nur fünf vorsichtige Meter angefragt worden waren. Gut, dass es der Stoff-Spender mit den Maßen nicht so genau genommen hat, denn die Resonanz war schließlich überwältigend. „Es hat nur eine Doppelstunde mit anschließender Pause gedauert, danach mussten wir freie Flächen schon suchen“, berichtet Schüler Gabriel Ben den Gästen vom Schulträger aus Steinfurt. Mit deren Hilfe soll das Transparent nun an die UNO weiter geleitet werden. „Ihr Einsatz macht das Problem der Kindersoldaten öffentlich“, meint Dr. Lüttmann. „Das ist wichtig, denn ich denke, dass viele darüber überhaupt nicht Bescheid wissen.“

Die Initiative für diese handfeste Schulaktion kam von Schülerinnen und Schülern aus der Oberstufe der Höheren Handelsschule, die sich zurzeit gemeinsam mit ihrem Lehrer Dieter Tebbe im Projekt „Kinderarbeit“ auch mit dem kaum begreifbaren Schicksal von minderjährigen Soldaten in Kriegen befasst haben. Ein terre des hommes-Mitarbeiter berichtete im Unterricht von schweren körperlichen Schäden, aber auch von oft lebenslangen psychischen Folgen. Schwer traumatisiert ist es für sie kaum möglich, wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Für viele, auch aus dem eigenen Heimatdorf, gelten Kindersoldaten als Mörder und werden oft sogar von der eigenen Familie geächtet. Für die Projektgruppe stand nach dem Besuch des Fachmannes fest: Wir müssen auf das schwere Schicksal der Kindersoldaten aufmerksam machen, die Mitschüler informieren - und wachrütteln.

Da bot sich der 12. Februar geradezu an. Der so genannte „Red Hand Day“ ist weltweit der Gedenktag gegen den Einsatz von Kindersoldaten mit einer Fülle von Aktionen. Er soll daran erinnern, dass auch heute noch laut Bericht der Vereinten Nationen rund 250.000 Kinder in bewaffneten Konflikten eingesetzt werden. Und so hatte die Projektgruppe auf großformatigen Plakaten Informationen zusammen getragen, die die teilnehmenden Klassen zum Nachdenken  anregen sollten. „Dass sie sich solidarisch erklären, ist ein nachahmenswertes Zeichen“, lobt Dr. Lüttmann den Einsatz. Auch er wird nachdenklich. „Sicher, jeder Einzelne von uns hat Sorgen und Probleme, die ihn bedrücken. Aber angesichts des Leides der Kindersoldaten können wir diese vielleicht ein wenig besser einordnen.“

In den nächsten Monaten wird sich die Projektgruppe weiter mit ganz unterschiedlichen Facetten des Themas Kinderarbeit befassen. „Die Spannbreite reicht dabei vom Einsatz in Bergwerken, Steinbrüchen, in der Textil- oder Handyindustrie bis hin zu Kindern, die Müll in Ecuador oder Elektroschrott in Ghana trennen“, erläutert Schüler Samet Asma das Recherche-Pensum. „Alle Ergebnisse werden später in einer Schulausstellung zu sehen sein.“

Und über eine weitere Initiative wollen die Schülerinnen und Schüler ebenfalls nachdenken: Sie möchten erreichen, dass die Kaufmännischen Schulen langfristig ein Hilfsprojekt fördern. Über ihre eigene Schulzeit hinaus. Das liegt auch dem dem Schuldezernenten durchaus am Herzen. „Ich würde es sehr begrüßen, wenn aus diesem Projekt etwas Nachhaltiges entsteht“, meint Dr. Lüttmann zum Abschluss des Besuches.  

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