Der Unterrichtsstoff ist für die Schülerinnen und Schüler nicht leicht zu verarbeiten. Im Gegenteil. Er regt auf, macht betroffen, sorgt manches Mal auch für Verzweiflung. Aber er regt in jedem Fall zum Nachdenken an. In der Unterstufe der Höheren Handelsschule wird seit einigen Jahren das Projekt gegen Kinderprostitution und Kindesmissbrauch durchgeführt. Am Ende der Unterrichtsreihe wird ein Aktionstag veranstaltet, an dem Fachleute mit den Schülern diskutieren. Damit verbunden ist auch eine Ausstellung in der Schulaula.

2019 Projekt Tebbe Gast Kommissar1Eines macht Guido Wilke den Schülerinnen und Schülern unmissverständlich klar: „Soziale Netzwerke wollen Geld verdienen, das ist ihr Zweck.“ Und so spionieren die Datenkonzerne die Handys ihrer Kunden aus und versuchen interessante Informationen über sie zu ergattern, die sie verkaufen können. „Und der Zugriff auf die Foto-Galerien in euren Handys ist absolut kein Problem und wird auch gemacht.“ Tschüss Privatsphäre. Der Hauptkommissar aus Rheine mit den beiden Schwerpunkten Kriminalprävention und Opferschutz ist zu Gast an den Kaufmännischen Schulen und sagt, was im Netz Sache ist. Aber den erhobenen Zeigefinger, den lässt er bei seinem Besuch in der Höheren Handelsschule in der Tasche. Ein generelles Verteufeln der Neuen Medien liegt nicht in seinem Interesse. „Das würde nichts bringen. Es geht vielmehr um eine bewusste Nutzung etwa des Internets und darum, dass man die Gefahren kennt und sich nicht strafbar macht“, so Wilke. 

2018 Höha Projeikt12018 Höha Projeikt2Wenn unser Schulleiter Ralf König am frühen Morgen mit Zahnpasta, Duschgel und Deodorant in der Aula erscheint, dann bietet dieser Anblick jede Menge Spielraum für Spekulationen. Hat er so viel zu tun, dass er in der Schule übernachten muss und die Utensilien am nächsten Morgen benötigt? Renoviert er vielleicht zu Hause sein Bad und nutzt nun die Duschen der Turnhalle? Fährt er auf Klassenfahrt und hat noch schnell das Nötigste besorgt? Weit gefehlt. Alles falsch.

2015 Scheckübergabe Roterkeilschule2Unsere Projektgruppe übergibt die Spende in Höhe von 2000 € an Ulla Freermann von „roterkeil.net“ (2. v. re.).2015 Scheckübergabe Roterkeilschule1Schulleiter Ralf König fasst sein Lob in einem Satz zusammen: „Ihr habt Schulgeschichte geschrieben, darauf könnt ihr stolz sein.“ Die 21 Schülerinnen und Schüler aus der Unterstufe der Höheren Handelsschule freuen sich sichtlich über die anerkennenden Worte. Sie sind verdienter Lohn für ihr großes Engagement in den vergangenen Monaten. Denn ein Schuljahr lang haben sie sich in einem Projekt mit den Themen Kindesmissbrauch und Kinderprostitution intensiv auseinander gesetzt und im März einen Aktionstag für ihre Mitschüler organisiert. Seitdem dürfen sich die Kaufmännischen Schulen „roterkeil-net-Schule“ nennen – als einzige überhaupt.

2015 Aktionstag Roter Keilschule1852015 Aktionstag Roter Keilschule33Irgendwann erreicht die menschliche Vorstellungskraft ihre Grenze. Der Verstand verlangt eine Auszeit. Sofort. Gefühle drücken sich nicht mehr in Worten aus. Höchstens in Gesten: entsetzte Blicke, Kopfschütteln, die rechte Hand verschließt den Mund. Der Blick ist starr zur Bühne gerichtet. Auf Bärbel Kannemann vom Verein „no loverboys". Die Ex-Polizistin erzählt gerade von einem jungen Mädchen, das dreimal von Freiern schwanger geworden ist. „Und dann haben ihr die Zuhälter jedesmal das Kind im Bauch totgetreten." Die Aula ist so voll wie sonst nur auf Entlassfeiern. Aber es ist plötzlich so still, als ob überhaupt keiner da wäre. Der Verstand versucht zu (ver-)arbeiten. Und mit dem Gefühl in Einklang zu kommen. Das braucht erst mal Zeit. Denkpause.

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