Der Unterrichtsstoff ist für die Schülerinnen und Schüler nicht leicht zu verarbeiten. Im Gegenteil. Er regt auf, macht betroffen, sorgt manches Mal auch für Verzweiflung. Aber er regt in jedem Fall zum Nachdenken an. In der Unterstufe der Höheren Handelsschule wird seit einigen Jahren das Projekt gegen Kinderprostitution und Kindesmissbrauch durchgeführt. Am Ende der Unterrichtsreihe wird ein Aktionstag veranstaltet, an dem Fachleute mit den Schülern diskutieren. Damit verbunden ist auch eine Ausstellung in der Schulaula.

2015 Scheckübergabe Roterkeilschule2Unsere Projektgruppe übergibt die Spende in Höhe von 2000 € an Ulla Freermann von „roterkeil.net“ (2. v. re.).2015 Scheckübergabe Roterkeilschule1Schulleiter Ralf König fasst sein Lob in einem Satz zusammen: „Ihr habt Schulgeschichte geschrieben, darauf könnt ihr stolz sein.“ Die 21 Schülerinnen und Schüler aus der Unterstufe der Höheren Handelsschule freuen sich sichtlich über die anerkennenden Worte. Sie sind verdienter Lohn für ihr großes Engagement in den vergangenen Monaten. Denn ein Schuljahr lang haben sie sich in einem Projekt mit den Themen Kindesmissbrauch und Kinderprostitution intensiv auseinander gesetzt und im März einen Aktionstag für ihre Mitschüler organisiert. Seitdem dürfen sich die Kaufmännischen Schulen „roterkeil-net-Schule“ nennen – als einzige überhaupt.

2015 Aktionstag Roter Keilschule1852015 Aktionstag Roter Keilschule33Irgendwann erreicht die menschliche Vorstellungskraft ihre Grenze. Der Verstand verlangt eine Auszeit. Sofort. Gefühle drücken sich nicht mehr in Worten aus. Höchstens in Gesten: entsetzte Blicke, Kopfschütteln, die rechte Hand verschließt den Mund. Der Blick ist starr zur Bühne gerichtet. Auf Bärbel Kannemann vom Verein „no loverboys". Die Ex-Polizistin erzählt gerade von einem jungen Mädchen, das dreimal von Freiern schwanger geworden ist. „Und dann haben ihr die Zuhälter jedesmal das Kind im Bauch totgetreten." Die Aula ist so voll wie sonst nur auf Entlassfeiern. Aber es ist plötzlich so still, als ob überhaupt keiner da wäre. Der Verstand versucht zu (ver-)arbeiten. Und mit dem Gefühl in Einklang zu kommen. Das braucht erst mal Zeit. Denkpause.

Logo Roterkeil2015 Kindesmissbrauch Aktionstag2Seit Jahren setzt sich unsere Schule gegen Kindesmissbrauch und Kinderprostitution ein.2015 Kindesmissbrauch Aktionstag1Daniel Rene´ wird von seinen eigenen Erfahrungen berichten.Das Datum ist - im wahrsten Sinne des Wortes - rot im Schulkalender angestrichen: Am 12. März werden die Kaufmännischen Schulen Rheine zur ersten „roterkeil.net-Schule" in Nordrhein-Westfalen. „Wir wollen ganz klar Stellung beziehen und nach außen dokumentieren, dass wir uns als Schule unmissverständlich gegen Kinderprostitution und Kindesmissbrauch einsetzen", sagt Religions-Fachlehrer Dieter Tebbe, der gemeinsam mit den Kollegen Cathrin Fielers und Markus Doerr den Aktionstag organisiert. Roterkeil.net ist ein Netzwerk gegen Kinderprostitution, das 1999 von Dr. Jochen Reidegeld (stellvertretender Generalvikar des Bistums Münster) gegründet wurde. Seit 2009 arbeiten die Kaufmännischen Schulen und roterkeil.net eng zusammen und beleuchteten das emotionale Thema bislang aus vielen Perspektiven in vielen unterschiedlichen Projekten. Am 12. März werden Schülerinnen und Schüler morgens gemeinsam mit Fachleuten aus unterschiedlichen Hilfseinrichtungen arbeiten und ihre Ergebnisse in großer Runde präsentieren. Am Abend lädt die Schule darüber hinaus alle Interessierten zu einem öffentlichen Podiumsgespräch ein.

2014 Kindesmissbrauch_BVB_Kehl1Sebastian Kehl empfängt Schülergruppe auf dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund.2014 Kindesmissbrauch_BVB_Kehl3Interviews geben? Das ist für ihn Routine. Das macht er jeden Tag. Das kann er gut. Weil er sich im Fußball bestens auskennt, seit 14 Jahren in der Bundesliga spielt und als durchaus redegewandt gilt. Und so hat der Profi denn auch keine Berührungsängste: „Kommt rein", sagt Sebastian Kehl salopp und bittet in den Presseraum auf dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund. Den lockeren Umgangston kombiniert er allerdings mit einer höflich-respektvollen Geste, denn er begrüßt jeden seiner Gäste per Handschlag. Macht sicher auch nicht jeder, schließlich sind es immerhin 16.