9835530764 1e66480103_z2014 Vortrag_Power_Point52014 Vortrag_Power_Point12Es gibt aktuell ca. 300 Millionen Power Point Nutzer in der Welt. Schätzungsweise 30 Millionen Präsentationen werden mit dieser Software täglich erarbeitet. Ungefähr eine Millionen Präsentationen werden in eben diesem Moment gezeigt. Deutlich mehr als 70 Prozent sind davon vermutlich unerträglich. Lediglich drei Prozent dürfen als gelungene Präsentationen bezeichnet werden. Viel zu viele Menschen werden durch schlechte Präsentationen in eben genau diesem Moment förmlich zu Tode gelangweilt. Das muss ein Ende haben!!! Dieser Meinung ist auch Tobias Raue. Als Lehrer der Kaufmännischen Schulen Rheine möchte er diesen Zustand verändern. Auch er kann den Zustand nich länger hinnehmen, dass in Schulen und Unternehmen viel zu schlechte Vorträge gezeigt werden.

Aus diesem Grund treffen sich Ende Januar die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 sowie einige weitere interessierte Lerngruppen der gymnasialen Oberstufe im großen Mehrzweckraum der Kaufmännischen Schulen Rheine zu dem Vortrag „Death by Powerpoint“, zu dem Herr Raue die Deutschkurse geladen hat. „Lasst uns die Welt besser machen durch bessere Präsentationen!“

Aber was unterscheidet miserable (PowerPoint) Präsentationen von wirklich guten? Raue macht es selbst vor: Er spricht seine Zuhörer direkt an, ist witzig, emotional und körperlich präsent. Provokant rüttelt Raue als Vortragender seine Zuhörer auf – eben so - wie es ein guter Vortrag verlangt. Er konfrontiert die Gruppe mit typischen Folien aus Schülerreferaten zu den „Epochen deutscher Literatur“ und zeigt auf, warum diese Beispiele die Zuhörer nicht erreichen und diese stattdessen selbst lieber „ihren Facebook-Status checken“. Das Problem der meisten PPPs sind – so Raue - die sogenannten „Folumente“. Hier verwechseln die Vortragenden die Power-Point-Folie häufig mit den Vortragsnotizen. Die Schnittmenge aus Dokument (Hand-Out) und Folien (Power-Point) ermüden das Publikum. Raue betont, dass die Vortragsmedien a) Hand-Out (Dokument), b) Notizen (Moderationskarten), c) Folien (PP) gleichberechtigt nebeneinander stehen. Der Vortragende sollte auf keins dieser Mittel verzichten.   

Die Präsentation und der Vortrag sollten sich nach der "Presentation-ZEN-Philosophie" - auf die sich Raue in seinem Vortrag bezieht - durch 3 Merkmale auszeichnen:

1) Reduzierung,

2) Einfachheit,

3) Klarheit.

Dies setzt eine sehr intensive Vorarbeit ohne Computernutzung voraus. Das Sammeln und Recherchieren wichtiger Informationen wird durch das Gruppieren dieser Informationen abgelöst, um schließlich eine Kernaussage herauszuarbeiten. Am Ende dieser Vorarbeit gilt es das „storyboard“ zu entwickeln. All diese methodischen Schritte veranschaulicht Raue selbst durch Fotos, die die Entstehung des eigenen Vortrags dokumentieren.

Nach den Erläuterungen zur Vorarbeit des Vortrags widmet sich Raue der Gestaltung der Folie selbst. Sehr aufschlussreich sind für die Schülerinnen und Schüler die Ausführungen zu einem gelungenen Layout einer einzelnen Folie. Raue ermutigt die Zuhörer zu mehr individueller und kreativer Gestaltung. Auch Wissenswertes zur Farbwirkung und Textgestaltung führt durch die Gegenüberstellung gelungener und misslungener Folienbeispiele bei der Gruppe zu Aha-Erlebnissen.

Bezüglich der Bedeutung von Bildern hebt Raue hervor, dass Bilder immer als erstes wahrgenommen werden. Sie sollten keine Dekoration sein! Vielmehr könnten sie als Fenster zur Welt oder zu anderen Zeiten genutzt werden. Sie sollen als Vollbildformat emotionalisieren und wichtige Aspekte des Vortrags unterstreichen. Ausführungen zu Diagrammen, eingebundenen Videos und die Klärung weiterer Fragen beenden den eindrucksvollen Vortrag Raues.

Die Gruppe applaudiert lautstark und anerkennend. Verschlafen hatte sie den Vortrag keinesfalls, stattdessen bis zum Ende aufmerksam zugehört! Einige Schülerinnen und Schüler wirkten aber auch etwas eingeschüchtert. Die Aufgabe, im Deutschunterricht ein Referat zur „Epoche der deutschen Literatur“ zu halten, erscheint für viele als große Hürde, sollen die Referenten doch nun auf wenig geebneten Pfaden gehen. Andere hingegen sehen für sich endlich die Chance, fernab von Wikipedia-Artikeln einmal kreativ werden zu dürfen und haben spürbar Lust, sich an die Arbeit zu machen. Auch die anwesenden Lehrerinnen und Lehrer bleiben nachdenklich zurück, erscheinen doch nun auch die eigenen Präsentationen in einem anderen Licht. Nach diesem Vortrag Raues an den Kaufmännischen Schulen Rheine ist eines sicher, die Beteiligten dieser Veranstaltung haben nun alle Kriterien an der Hand, einen gelungenen Vortrag von einem weniger gelungenen zu unterscheiden. Na dann mal an die Arbeit! Wer will sich schon gerne zu Tode langweilen?!

 

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