2016 Bänker Sterben1Kein alltäglicher Unterrichts-Gegenstand: Die Schülerinnen und Schüler konnten sich über die Ausstattung eines Sarges informieren.Zugegeben: Es ist schon eine skurile Szene, die sich da in einer blickgeschützten Ecke des Feuerwehrgeländes beobachten lässt. Zwei Dutzend leicht fröstelnde Gestalten scharen sich in der Morgendämmerung um einen Transporter, aus dem gerade ein Sarg gehoben wird. Nanu, was machen die denn da? Und dann nehmen vier kräftige Männer auch noch das Sargoberteil ab, so dass der interessierte Blick ins Innere der letzten Ruhestätte fällt. Was für den unbeteiligten Betrachter von weitem so aussieht wie ein Seminar für angehende Bestattungsunternehmer, ist nichts anderes als - Religionsunterricht. In der Banken-Fachklasse unserer Schule geht es um das Thema Tod und Sterben.

Und da liegt es nahe, sich einmal durch Fachleute informieren zu lassen. In diesem Falle durch das Bestattungsunternehmen Averwald, welches nicht nur eine Power-Point-Präsentation mitbringt, sondern gleich auch einen Sarg und Urnen mit an Bord hat. Anschauungs-Unterricht in reinster Form.

Interessiert wird der Sarg betrachtet. Es dauert zwar einige Momente, bis die Schülerinnen und Schüler ihre Scheu verlieren, doch dann wird vorsichtig angefasst und untersucht. Erste Fragen kommen auf. So berichtet das Unternehmen Averwald über Preise und Ausstattungsmöglichkeiten. „Der Preis einer Beisetzung ist individuell und sollte auch trotz kleinem Geldbeutel würdevoll sein,“ sagt Bestatterin Averwald. Aber nach oben sind keine Grenzen gesetzt, ganz nach den individuellen Bedürfnissen der Angehörigen bzw. für den Verstorbenen. Und man müsse berücksichtigen, dass noch weitere Kosten hinzukämen, etwa für Überführung, Trauerdruck, Friedhofsgebühren, Grabschmuck und mehr.
Die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass laut Gesetz ein Leichnam in eine Leichenhalle oder in ein Krematorium überführt werden muss. Im Gespräch geht es auch um Bestattungsarten, etwa das Einäschern. „Der Kremierungs-Prozess dauert ungefähr fünf Stunden“, sagt die Bestatterin. Alternativen zur Erdbestattung seien der Friedwald oder die Seebestattung.
Eine Frage brennt vielen unter den Nägeln: „Ist das nicht ein merkwürdiges Gefühl, mit einer Leiche unterwegs zu sein?“ Frau Averwald überlegt einen kurzen Augenblick und sagt: „Das ist einem natürlich immer bewusst, dennoch gehört es zu meinem Beruf.“
Wie auch das Herrichten der Verstorbenen. Etwa das Waschen, Anziehen oder Schminken. „Das macht mir nicht so viel aus, “ sagt Frau Averwald und betont, „dass es vor allem darum geht, jeden Verstorbenen mit Respekt und Würde zu behandeln“. Die Schülerinnen und Schüler sprechen mit ihr über die Gestaltung einer Trauerfeier, in der durchaus die Lieblingsmusik des Verstorbenen seinen Platz hat. „Und wenn jemand eine Urne in den Farben seines Fußballclubs haben möchte, dann machen wir auch das möglich,“ so Averwald. Hauptsache, die Persönlichkeit des Verstorbenen kommt zum Ausdruck.
Zum Abschluss der außergewöhnlichen Unterrichtsstunde geht es noch um die Frage, die für viele noch ein Tabu darstellt: Sollte man schon zu Lebzeiten seine eigene Trauerfeier organisieren? „Der Vorteil ist, dass die Hinterbliebenen in den schweren Stunden der Trauer entlastet werden. Und man kann sicher sein, dass die Feier so stattfindet, wie man sie sich gewünscht hat“, gibt die Bestatterin als Vorteile zu bedenken. Das muss erst sacken. Ihr Besuch bringt jede Menge Diskussionsstoff für die nächsten Schulstunden mit Fachlehrer Dieter Tebbe.
Bleibt noch, der Rheiner Feuerwehr zu danken, die ihren Parkplatz zur Verfügung stellt. Denn vor den Augen der gesamten Schülerschaft will die Klasse dann doch keinen Sarg betrachten. Aus Rücksicht auf die Mitschüler, die vielleicht gerade einen geliebten Menschen verloren haben. So viel Pietät muss sein.

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